Benediktsregel

Installation

im Benediktinerstift Admont, 2007

Annäherung

Als Grundgedanke liegt dieser Arbeit die Aussage der Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils zugrunde: In der irdischen Liturgie nehmen wir vorauskostend an jener himmlischen Liturgie teil, die in der heiligen Stadt Jerusalem gefeiert wird, zu der wir pilgernd unterwegs sind (Sacrosanctum Concilium I,8).

Der Weg des Menschen, des Christen, des Pilgers wird in der Installation versinnbildlicht. Als Verbindung zwischen dem Paradies als Ursprung, das im Alten Testament im Buch Genesis beschrieben wird, und der Verheißung des Paradieses im Neuen Testament dienen Taufschale und Altar. Sie stehen für die Quelle – die Eucharistie, aus der sich das Leben des Christen speist. Sie stehen aber auch für Anfang und Ende.

Ein Weg aus Sand, ein Verweis auf den Weg des Volkes Israel durch die Wüste, führt den Betrachter mit Textauszügen vom Taufbecken, welches das Genesis-Paradies beschreibt, zum Altar, der Texte aller vier Evangelien (Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag, Ostermorgen) sowie das Vaterunser trägt. Um den Altar sind die Gewänder – wie für die Feier der Eucharistie – gruppiert, gleichsam zeichenhaft für die Vorauskostung der himmlischen Liturgie. In die Installation integriert sind Zitate aus der Benediktsregel als Lebens- und Glaubensweisheit, als Wegweiser auf dem Pilgerweg zu Gott und damit ins Paradies.

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Beschreibung

Ut in omnibus glorifi cetur Deus! – Damit Gott in allem verherrlicht werde!

Die Verherrlichung Gottes im Leben und durch das Leben – so lassen sich Sinn und Zweck der Regel des heiligen Benedikt zusammenfassen. In einem Prolog und 73 Kapiteln versucht der italienische Mönchsvater, seinen Schülern hierzu eine Anleitung zu geben. Wege sind unter anderem Gebet, Askese, Gehorsam und klösterlicher Lebenswandel. Benedikt fordert dabei keine Extreme. Er setzt maßvolle Maßstäbe, die für jeden Menschen gelten können. Orientiert an der Heiligen Schrift empfiehlt er zum Beispiel verschiedene Werkzeuge der geistlichen Kunst (Regula Benedicti (RB), Kapitel 4). Dazu zählen die Zehn Gebote oder die Werke der Barmherzigkeit ebenso wie allgemeine Hinweise, etwa nach einem Streit noch vor Sonnenuntergang zum Frieden zurückzukehren (RB 4,73).

In drei Imperativen lässt sich das Wesen der Regel Benedikts ausdrücken:
Ora – bete!
Labora – arbeite!
Lege – lies!

Bete – um Gott in feierlicher Liturgie zu preisen, ihm zu danken und ihn zu bitten. Arbeite – um den Lebensunterhalt zu verdienen und Trägheit und Müßiggang vorzubeugen. Lies – um das Wort Gottes immer besser verstehen und im Alltag verwirklichen zu können. Der heilige Benedikt versteht sein Werk als Hilfe zu Erfüllung und Glück im Leben. Und so heißt es im letzten Kapitel: Wenn Du also zum himmlischen Vaterland eilst, wer immer Du bist, nimm diese einfache Regel als Anfang und erfülle sie mit der Hilfe Christi (RB 73,8).

P. Winfried Schwab OSB, Stift Admont