Jacobus Ornat – Hilden

Konzeption

Neben der Auseinandersetzung mit dem Leben des Hl. Jacobus und der über ihn verbreiteten Legenden, besuchte ich einige Gottesdienste der Gemeinde. Beides – Leben und Botschaft der Person Jacobus und der konkrete liturgische Vollzug – sowie der liturgische Raum, für den die Gewänder konzipiert wurden, waren und sind wesentliche Kulminationspunkte für meine Arbeit. Die Beschäftigung mit Fragen des Märtyrertums, der Geschichte von Märtyrerfesten, ihrer Bedeutung für das Werden der jungen Kirche und ihre Stellung im Leben von uns Heutigen waren für mich bedeutsame Grundlagen für die Konzeption des vorliegenden Ornates.
Aufruf zur Kreuzesnachfolge – Im Feiern eines Märtyrerfestes gedenken wir auf der einen Seite der konkreten Person und seiner Treue zu Christus und seines Glaubens, der diese Person befähigte Leid und Tod auf sich zu nehmen; auf der anderen Seite kann das konkrete Martyrium für uns Christen ein Beispiel, ein Vorbild, für unseren eigenen Weg im Glauben sein – wenngleich es immer wieder neu in die Zeit hinein „übersetzt“ werden muss. „Nehmt mein Kreuz auf Euch und folgt mir nach…“ diese unmissverständliche und doch auch Widerspruch-erregende Aussage Jesu gibt den Weg vor: Christliche Nachfolge – zumal Kreuzesnachfolge – kann nur getragen in und durch die Geborgenheit der Liebe Christi gelingen. Kreuzes-Nachfolge ist Glaubens-Nachfolge. Ich bin verleitet zu sagen: Auf jeden wartet ein weißes, leeres Kreuz….
Und dann ist da noch ein Zweites: „Wohin wir auch kommen, immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird. Denn immer werden wir, obgleich wir leben, um Jesu willen dem Tod ausgeliefert, damit auch das Leben Jesu an unserem sterblichen Fleisch offenbar wird. So erweist an uns der Tod, an euch aber das Leben seine Macht.“ (2 Kor 4,10-12) So die Lesung zum Jacobus-Fest. Diesen Gedanken aufgreifend setzte ich in das Zentrum des Gewandes eine Brustplatte – wie ein Herzstück. Diese Brustplatte durchdringt das Gewand und damit den Körper des Trägers. Die Vorderseite der Brustplatte zeigt ein freigelegtes, vertieftes weißes und damit leeres Kreuz, das Kreuz, das auf uns wartet. Diese Brustplatte ist eingebettet in das goldene
T-Kreuz Christi, das Kreuz der Liebe und Geborgenheit. Die weiße Albe des Trägers wird deutlich sichtbar, sowohl im seitlichen, als auch im unteren Gewandabschluss und verlängert dadurch das goldene Kreuz von der Casel in die Albe und damit noch näher zum Träger hin. Es findet eine optische Überleitung statt. Die Gewänder nehmen durch ihre Saumlinie die Form des Spitzbogens der neogotischen Kirche auf. Diese gestalterischen Grundprinzipien wurden auf alle Gewandformen der unterschiedlichen Funktionsträger bzw. Funktionen übernommen. Das goldene Kreuz jedoch bleibt dem Hauptzelebranten vorbehalten, der als Vorsteher des Gottesdienstes der Vertreter Christi im Vollzug des  Gottesdienstes ist.

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Fotos: © Julia Oppermann