„In meinen freien Arbeiten spüre ich den Fragestellungen, welche sich aus meinen anderen Arbeitsgebieten ergeben, weiter nach. Das Verhältnis von Personen, Menschen, Figuren und Raum. Wie spiegelt sich der Charakter einer Person in ihrer Bekleidung wider, oder auch, welche Rückschlüsse lassen die Bekleidung oder Accessoires auf den Träger hin zu? In der kunstgeschichtlichen Tradition wurden Bildtypen entwickelt, sei es in der orthodoxen Ikonenmalerei, sei es allgemein in der christlichen Kunst oder auch im repräsentativen (Herrscher-) Porträt. Diesen Mechanismus aufgreifend bzw. umkehrend, entwickle ich aus den Attributen oder Haltungen meine Porträts. Hier steht die Auseinandersetzung mit dem Bild und Abbild des Menschen in seiner Fragmentierung im Zentrum meines Interesses. Wieviel braucht es von einem Menschen, um ein Porträt herzustellen? In Rauminstallationen reagiere ich auf die einzelnen Räume und deren Inhalte – seien sie von bauhistorischer oder funktionaler Bedeutung. Ich orientiere mich dabei an den Fragen: Wie kann ich die Spannung des Raumes visualisieren oder die Verbindung aus Inhalt und Form herstellen?“
„Der Verbindung von Inhalt und Form nachspüren “
Fasteninstallation 2008
in St. Ruprecht Wien
Synagoge Schlaining
in der ehemaligen Synagoge Schlaining, Stadtschlaining
30. März 2022
Ehemalige Synagoge Stadtschlaining
Mit dieser restaurierten Synagoge wurde ein Ort der Mahnung und Erinnerung aber auch ein Ort des Dialogs, der Neugierde und des „sich-neu-Kennenlernens“ geschaffen.
Die nun fertiggestellte Dauerausstellung beleuchtet die Entwicklung der jüdischen Gemeinde Stadtschlaining. Durch die ausgestellten Objekte und Texte wird jüdisches Leben, gewesenes, vernichtetes, aber auch heute gelebtes Sein, hier im Burgenland – wie auch der jüdischen Welt – präsentiert und nähergebracht.
Zentrales Element der Ausstellung ist die symbolische Form eines Davidsterns. Der Davidstern besteht aus sechs dreieckigen schwarzen Vitrinensäulen. Ein schwarzer Davidstern. Aber die Vitrinen leuchten - und somit leuchtet der Stern. Ein leuchtender Stern, der das jüdische Leben, historisch und heutig präsentiert. Ein leuchtender Stern für die Hoffnung auf eine leuchtende gemeinsame Zukunft im Verstehen.
Die ehemalige Synagoge beherbergt auch einen Ort des Gedenkens und der Erinnerung an die 1938 vertriebene und vernichtete jüdische Bevölkerung des Südburgenlandes. Der Leitgedanke „Dem Abwesenden Raum geben“ wird in Form einer fragmentarischen, stilisierten Rekonstruktion der Innenraumeinrichtung – als schwarzer Schatten – umgesetzt. Es geht um eine Wiederherstellung des räumlich-synagogalen Sinnzusammenhangs und um eine Rückführung in die Geschichte der Synagoge und der jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner Stadtschlainings. Indem die Namen und Lebens-, Leidens- und Todesdaten der letzten Jüdinnen und Juden in die Bänke eingraviert sind, werden die Menschen und ihre individuelle Geschichte zurück nach Stadtschlaining gebracht. Damit sind sie der Auslöschung durch die Nationalsozialisten entrissen. Die Erinnerung an sie, an ihre Geschichte und an ihr Schicksal bleibt wach. Es gibt für die Opfer keinen Grabstein mit ihrem Namen. Jetzt, wo ihr Name in ehrendem Andenken in der Synagoge steht, dient die Installation als Grab- und Gedenkstein. Die Installation entzieht sich jeder Funktionalität und jedem Naturalismus, sie will nicht praktisch sein. Sie ist schwarz. Schwarz als Schatten, Schatten der Vergangenheit und Schatten des Schmerzes, als Ahnung dessen, was hier einmal war.
Damit ein solcher Ort entstehen kann, der informiert und berührt, dafür braucht es Menschen, die miteinander eine Vision entwickeln und verwirklichen und die intensiv und mit Leidenschaft zusammenarbeiten. Die zuständigen Institutionen des Landes Burgenland, die Leihgeberinnen und Leihgeber ebenso wie die israelitische Kultusgemeinde Graz, die israelitischen Kultusgemeinde Wien, LIKRAT, Misrachi Österreich sowie das Österreichische Jüdische Museum Eisenstadt und das Landesmuseum Burgenland.
Nicht zuletzt gilt der Dank dem Team rund um Mag. Norbert Darabos für das Vertrauen, das sie in meine Idee und Konzeption gesetzt haben! Und Prof. (FH) Mag. Awi Blumenfeld von der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, der als wissenschaftliche- und jüdische Begleitung, das Projekt mit viele Leidenschaft betreut hat.
Auszüge aus Ausstellungs-Impressum:
Vorsitzender Lenkungsausschuss 100 Jahre Burgenland: Landeshauptmann Mag. Hans Peter Doskozil
KBB – Kultur-Betriebe Burgenland GmbH, Franz Schubert-Platz 6, 7000 Eisenstadt
Standort Friedensburg Schlaining
Geschäftsführung: DI Barbara Weißeisen-Halwax
Projektmanagement und Gesamtkoordination: Mag. Tanja Stacherl, Christoph Langecker
Wissenschaftliche Schirmherrschaft und Standortleitung: Mag. Norbert Darabos
Kuratierung: Mag. Christof Cremer
Wissenschaftliche & Jüdische Begleitung: Prof. (FH) Mag. Awi Blumenfeld
Ausstellungsgestaltung, Künstlerische Leitung und Gestaltung: Mag. Christof Cremer
Mitarbeit Entwurfsplanung: Mag. Franz Ehn
Detailplanung Ausschreibung Örtliche Bauaufsicht: RIGEWA Riedner Gepp Waldhör Architekten ZT GmbH, Arch. Dipl. Ing. Matthias Riedner
Multimedia: ZONE Media GmbH
Grafische Gestaltung: DI Julia Oppermann
Illustration: Jovan Sertić
Bauliche Ausstattung, Ausstellungsbau, Vitrinen und Szenografie: Winter Artservice
Projektleitung: Benjamin Reichert und Herbert Herl
Medientechnik: Winter Artservice und cat-x exhibitions Prix KG
Projektleitung: Florian Prix
Arthandling: vienna arthandling
weitere Informationen
ORF: Burgenland Heute - Beitrag zur Eröffnung der Synagoge
Zelt Gottes
Auftraggeber:
Gemeinde St. Ruprecht
Künstlerische Leitung:
Christof Cremer
KUNSTINSTALLATION ZUR FASTENZEIT
„… ich bin in einer Zeltwohnung umhergezogen.“
(2 Sam. 7,6)
Zur Fastenzeit werden in vielen Kirchen Altarbilder verhüllt. Erst zur Feier der Auferstehung Jesu sind
sie wieder sichtbar. So soll auch der Blick geschärft werden auf Wesentliches.
In der Ruprechtskirche wird in diesem Jahr nicht verhüllt, sondern – ganz im Gegenteil – etwas
hervorgehoben, bewusst gemacht. Auch so soll der Blick geschärft werden auf Wesentliches.
Einige Assoziationen, die beim Betrachten der goldenen Folie möglich sind:
Baldachine gibt es schon seit vielen Jahrhunderten. Sie waren einerseits Sonnenschutz für den
Herrscher und ein klares Zeichen dafür, wo sein Platz, sein Sitz ist.
Die Christen übernahmen den Baldachin ebenfalls als Ehrenzeichen – für Bischöfe, den Papst und
später auch als „Himmel“ über dem Tabernakel oder bei Prozessionen.
König David lässt die Bundeslade, das Zeichen des „Ich-bin-da“, in ein Zelt bringen. Das Zelt wird so zu
dem Ort, wo Gott wohnt.
In dem Text der Offenbarung im Neuen Testament ist zu lesen: „Da hörte ich eine laute Stimme vom
Thron her rufen: Seht, das Zelt Gottes (die Wohnung Gottes) unter den Menschen!“
Der goldene Baldachin über dem Altar ist wie ein Zelt gespannt über dem Ort, an dem seit
Jahrhunderten des Todes und der Auferstehung Jesu gedacht wird und Abendmahl vollzogen wird.
Die goldene Folie, scheint zu schweben, reagiert auf Thermik, ist filigran und federleicht. Und doch ist
sie Schutz: Es wurde für dieses Zelt Rettungsfolie verwendet, in die Menschen bei Unfällen gehüllt
werden. Rettungsfolie, die Flüchtlinge erhalten, wenn sie nach dramatischer und lebensgefährlicher
Fahrt übers Meer am Festland ankommen.
Die Folie reflektiert, wirft goldenes Licht zurück; es scheint, als werden jene, die darunter Schutz,
Geborgenheit suchen zu Königinnen und Königen.
Das Gold der Folie ist auch ein Hinweis auf das kommende Osterfest, auf die Auferstehung Jesu.
Der Künstler Christof Cremer, der diese Kunstintervention gestaltet hat, sagt: „Dieses Zelt, diese Folie
ist für mich auch ein Zeichen für Christus: Er ist unsere Rettungsfolie.“
© Foto: Christof Cremer
Altarverhüllung – Fasteninstallation
Das für die Ruprechtskirche konzipierte Projekt setzt sich mit der alten kirchlichen Tradition der „Verhüllung“ auseinander, die bis ins 10. Jahrhundert zurück reicht. Im Zuge der Fasteninstallation 2005 wurde der Altar mittels einer künstlerisch gestalten Hülle „verschleiert“. Auf die Hülle ist das Abbild des Altars in einem Farbverlauf von lila bis weiß gedruckt.
Der Druck gleicht einem Röntgenbild, er macht sichtbar, holt „ans Licht“, ist so auf eine bestimmte Art durchscheinend. Durch diese Gestaltung wird die Struktur des Altars – der gemauerte Block – in seiner Form und Vielschichtigkeit dem Betrachter näher gebracht; der Betrachter wird zu einem neuen Schauen hingeführt. Der Altar ist verhüllt und trotzdem - oder gerade deshalb
besonders präsent. Durch die Verhüllung des Altars entsteht für den Besucher und den Teilnehmer an den liturgischen Feiern ein neues Raumgefühl; sie ermöglicht eine neue, tiefe
Erfahrung des Kommenden. Die Verhüllung nimmt auch Bezug auf die Schriften des Zefania, jenes Buch der Bibel, das in der Fastenzeit 2005 in St.Ruprecht bei den Gottesdiensten gelesen wird
und das von der Buße hin zur Hoffnung führt. Während der Feier der Osternacht wird der Altar enthüllt. Der Altar wird neu wieder entdeckt.
Das Projekt ist eine Gemeinschaftsarbeit von Julia Oppermann und Christof Cremer.
Benediktsregel
im Benediktinerstift Admont, 2007
Annäherung
Als Grundgedanke liegt dieser Arbeit die Aussage der Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils zugrunde: In der irdischen Liturgie nehmen wir vorauskostend an jener himmlischen Liturgie teil, die in der heiligen Stadt Jerusalem gefeiert wird, zu der wir pilgernd unterwegs sind (Sacrosanctum Concilium I,8).
Der Weg des Menschen, des Christen, des Pilgers wird in der Installation versinnbildlicht. Als Verbindung zwischen dem Paradies als Ursprung, das im Alten Testament im Buch Genesis beschrieben wird, und der Verheißung des Paradieses im Neuen Testament dienen Taufschale und Altar. Sie stehen für die Quelle – die Eucharistie, aus der sich das Leben des Christen speist. Sie stehen aber auch für Anfang und Ende.
Ein Weg aus Sand, ein Verweis auf den Weg des Volkes Israel durch die Wüste, führt den Betrachter mit Textauszügen vom Taufbecken, welches das Genesis-Paradies beschreibt, zum Altar, der Texte aller vier Evangelien (Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag, Ostermorgen) sowie das Vaterunser trägt. Um den Altar sind die Gewänder – wie für die Feier der Eucharistie – gruppiert, gleichsam zeichenhaft für die Vorauskostung der himmlischen Liturgie. In die Installation integriert sind Zitate aus der Benediktsregel als Lebens- und Glaubensweisheit, als Wegweiser auf dem Pilgerweg zu Gott und damit ins Paradies.
