Christof Cremers Arbeiten im Bereich der sakralen Kunst umfassen die Entwicklung neuer liturgischer Gewänder, Entwürfe liturgischer Geräte, temporäre künstlerische Rauminterventionen und Rauminstallationen sowie die künstlerisch-architektonische Entwicklung von Raumkonzepten für sakrale Räume. „Liturgie, liturgisches Gewand, liturgische Geräte stellen für mich als Künstler und Christ eine große Herausforderung dar. Ich benutze das Sakralgewand nicht als Leinwand, um mittels Malerei oder Stickerei Symbole oder Muster zu applizieren, sondern erarbeite die Gewänder über ihre schnitttechnische Gestaltung. Für mich sind die Themen Transzendenz, Sehen und Nichtsehen, Verhüllen und Sichtbarmachen wesentliche Gestaltungselemente meiner Arbeit. Hierbei geht es mir nicht um Modernismen, sondern um eine Wiederherstellung der Verbindung von Kult und Gewandung. Meines Erachtens ging sie durch die industrielle Herstellung der liturgischen Gewänder und deren Gestaltung, die oftmals nur reine Dekoration ist, verloren. Die Grundfragen, die mich bei meinen sakralen Arbeiten leiten, sind, was eine Person, einen Priester, in einem sakralen Raum, bei sakraler Handlung, beim Heiligen Spiel würdig macht, und welches textile Mittel eingesetzt werden kann und muss, um diese Würde zu unterstützen. Für mich sind immer zwei Komponenten wichtig: Zum einen die Feier der Eucharistie als Zentrum religiösen Lebens und Handelns, in der die liturgische Gewandung gebraucht und eingesetzt wird. Zum anderen die Person des Trägers, dessen Bewegungen und Bewegungsabläufe das Sakralgewand unterstützt und unterstreicht. Hier sind sowohl für Priester wie auch für Laien, die einen Gottesdienst leiten bzw. bestimmte Dienste in ihm übernehmen, Möglichkeiten zu entwickeln, die dem Geheimnis Raum geben. So sehe ich das sakrale Gewand auch als Objekt in einem bestimmten kirchlichen Raum. Im Idealfall ist ein sakrales Gewand für eine bestimmte Person und einen bestimmten sakralen Raum konzipiert.“
„Die Wiederherstellung der Verbindung von Raum, Kult und Gewandung“
Gestaltung der Evangeliare für die deutschsprachigen Bischofskonferenzen – Künstlerausgabe
Künstlerische Gestaltung
Der vorliegende Entwurf steht in der Tradition der sakralen Buchgestaltung und ist doch heutig. Die gesamte Gestaltung des vorliegenden Evangeliars greift auf die Tradition der historischen sakralen Buchgestaltung zurück und übersetzt diese ins Heute.
Unter allen Büchern der Heiligen Schrift, die das Fundament des christlichen Glaubens sind, wird in der Kirche den vier Evangelien besondere Verehrung entgegengebracht. "Denn sie sind das Hauptzeugnis für Leben und Lehre des fleischgewordenen Wortes, unseres Erlösers." (Dei verbum 18) Ob dieser Bedeutung werden sie gesichert, umfangen mit zwei „Bändern“, die in Kreuzform um die gesamten Texte des Buches geschlungen sind, wie bei Reliquien, die in den Altar eingesetzt werden. Diese Bänder ziehen sich vom Vorsatzblatt über den zweifarbigen Goldschnitt bis zum Nachsachsatzblatt. Das ganze Textkonvolut wird von einem Bucheinband umhüllt und beschützt.
Auf dem Bucheinband sind vorne die Anfänge und hinten die Abschlüsse der vier Evangelien auf Altgriechisch abstrahiert positioniert. Die vier Evangelien erzählen die eine Heilsgeschichte im Zeichen des Kreuzes, dieses Kreuz entsteht als (Leer-)Kreuz durch die Positionierung der Texte auf dem Bucheinband und führen das Kreuz des Buchblocks und des Goldschnittes fort.
Als weitere Ebene wird über die Texte eine expressive Mandorla-Form aufgebracht, die den Betrachter gleichsam in das Buch hineinzieht. Die künstlerische Zeichnung bildet auf der einen Seite die Brücke zur Gestaltung der neuen Lektionare und auf der anderen Seite ist es eine Referenz an die Darstellung des thronenden Christus in der Mandorla. Auf der Rückseite wird ein goldenes Kreuz gezeigt.
Die Künstlerausgabe ist die ideale Umsetzung der künstlerischen Gesamtkonzeption. Um die gewünschte Plastizität zu erreichen, werden hochwertigste Materialien von arrivierten Kunsthandwerkern in Einsatz gebracht. Das Buch ist in schweren mit Reliefstickerei versehenen Seidenduchesse gebunden. Vorder- und Rückseite sind mit vergoldeten Messingreliefs bestückt.
Künstlerisches Konzept Illustrationen
Den Illustrationen im Evangeliar liegt der Wunsch zu Grunde, dem Text eine bildliche Expression, aus dem Textbild hinzuzufügen. Diese referenzieren zur Einbandgestaltung bei der auch die Texte – Textauszüge als gestalterisches Zentralelement – verwendet werden. Der Leitgedanke ist dabei, dass der Text in seiner Dynamik, in der ihm inhärenten Bewegung zum Betrachter spricht. Es geht um den Gestus und nicht um eine Bebilderung im klassischen Sinne.
Die Illustrationen sind Ergebnis eines aufwändigen, mehrstufigen Prozesses. Grundlage und Ausgangspunkt ist eine theologische Analyse der Textstellen. Sie mündete in einer Verdichtung der Aussage des konkreten Textes in eine Bewegung. Diese wurde von einem Tänzer in einer geleiteten Improvisation umgesetzt und mittels Langzeitbelichtungen und Videos dokumentiert.
Die in verschiedenen Bildebenen überlagerten Bewegungen wurden freigestellt, grafisch bearbeitet und abstrahiert. Die aus diesem Prozess resultierenden Formen wurden mit den ausgewählten altgriechischen abstrahierten Texten gefüllt und in ebenfalls abstrahierte Hintergrundebene implementiert sowie in die jeweils entsprechende liturgische Farbe eingefärbt.
Das Evangeliar lädt nicht nur ein, es im buchstäblichen Sinne „vor-zu-tragen“ und daraus „vor-zu-lesen“, sondern regt durch Form und Gestaltung auch dazu an, „inne-zu-halten“ und dem zu Sehenden und dem Gehörten „nach-zu-gehen“.
Format: 24,5 x 34,5 cm, 648 Seiten mit 35 Farbtafeln und zahlreichen Lesebändchen
Ausstattung: Seideneinband mit Stickereien, die abstrahiert die vier Evangelien in Altgriechisch aufnehmen, darauf montiert zwei handvergoldete Messingreliefs, zweifarbiger Goldschnitt, Magnetschließen, lose eingeschlagen in Seidensamt, repräsentative Kassette mit Titel- und Rückenschild.
Limitierte Auflage
75 arabisch plus III römisch h.c. nummerierte und signierte Exemplare Subskriptionspreis: € 4.800,-
ab 1. Mai 2023: € 5.500,-
Ausführliche Information / Bestellung:
Buchhandlung Walther und Franz König
Ehrenstraße 4
50672 Köln
order@buchhandlung-walther-koenig.de
Für Rückfragen gerne auch:
atelier@christof-cremer.com
Podcast Radio Stephansdom:
https://radioklassik.at/programm/sendeformate/thema/das-neue-evangeliar/
Einbandgestaltung: atelier cremer / Christof Cremer, Julia Oppermann
© Visualisierung: Christopher Gruber; Photos: atelier cremer/Jovan Sertic
Apollinaris Ornat
von Christof Cremer
Das Apollinaris Fest / die Apollinaris Kirmes in Düsseldorf führt viele unterschiedliche Menschen mit Ihren Lebensläufen zusammen. Gläubige, BesucherInnen der Kirmes, SchaustellerInnen, DüsseldorferInnen. Ihre unterschiedlichen Lebenslinien treffen sich im Kreuz in Christus und bilden gleichsam die Querbalken des Kreuzes. Dies erzählen meine liturgischen neuen Gewänder für diesen Anlass.
© Entwurf: Christof Cremer; Illustrationen: Andrea Költringer;
Realisierung: Paramentenhaus Wefers Köln
Martinsornat
von Christof Cremer
Konzeptioneller Ansatz – Ein Entwurf für das 21. Jahrhundert
„Martin erinnert uns unablässig daran: Die Kirche ist eine diakonische, eine helfende und heilende Kirche. ... In Martin lebt Jesus selbst auf, der ruft, ihm nachzufolgen und in seiner Spur zu handeln. ... Die Ausstrahlung der Kirche ... ist niemals unabhängig von ihrer wahrnehmbaren und wahrgenommenen Gestalt, vom konkreten Lebens- und Praxisstil, in welchem sich der in ihr herrschende Geist ausdrückt.“ (Gebhard Fürst, Martin von Tours, Ikone der Nächstenliebe, S 111 ff.)
Sulpicius Severus beschreibt in seinem Lebensbericht über Martin anschaulich die Nächstenliebe Martins, als dieser am Tor von Amiens einem Armen die Hälfte seines Mantels schenkt. „Als es Nacht geworden war und er (Martin) sich dem Schlafe hingegeben hatte, erschien ihm Christus, angetan mit dem Teil des Mantels, den er dem Armen gegeben hatte. ... Wahrlich, der Herr gedachte der Worte, die er einst vorhergesagt: Was ihr einem der Geringsten getan, das habt ihr mir getan.“ (Martin von Tours, Lebensbericht von Sulpicius Severus; Hrsg. Joachim Drumm, S 25)
Diese Gedanken greift der vorliegende Entwurf für einen „Martins-Ornat“ auf und übersetzt sie künstlerisch. Im Teilen, im Zerschneiden des Mantels wird die helfende und heilende Kirche, die sich in ihrem Tun auf Christus beruft und von seinem Tun geleitet wird, sichtbar. Und in und durch die handelnde Kirche wird Christus selbst sichtbar, spürbar, erfahrbar, ja begreifbar.
Papst Franziskus wird nicht müde, die Kirche – also die vielen Menschen, die sich zu dieser Kirche bekennen – aufzurufen, zu drängen, sich den Wehrlosen, den Schwachen, den Geringsten zuzuwenden und – gleichsam wie Martin – die Mäntel zu teilen. Martin ein Vorbild für das 21. Jahrhundert, in dem so viele so wenig haben, in dem so viele auf die Zuwendung anderer angewiesen sind. Wo Menschen teilen dort wird Christus das Licht der Welt sichtbar.
Das Gewand, das bei Martin – neben dem realen, wärmespendenden Mantel für den Bettler – darüber hinaus eben auch zum allgemeinen Symbol für Nächstenliebe und Teilen schlechthin geworden ist – und dies seit nunmehr eineinhalbtausend Jahren mit einer beeindruckenden Wirkungsgeschichte im weltweiten Christentum – dieses geteilte Gewand soll in den Entwürfen zum Martinsornat nun selbst sinnfälliges Zeichen in Form und Gestaltung werden.
Vorwort von Bischof Gebhart Fürst
„Gewänder des Heils“ von Wolfgang Urban
„Zeitgenössische Paramente - Martinsornat als Beispiel“ von Wolfgang Stracke
weiterführende Links:
Vollbibel für den 102. deutschen Katholikentag in Stuttgart
© Entwurf: Christof Cremer; Illustration: Andrea Költringer
Gestaltung der Vollbibel für den 102. Deutschen Katholikentag in Stuttgart
Für den 102. Deutschen Katholikentag in Stuttgart habe ich eine Vollbibel gestaltet. Die Umschlaggestaltung zeigt auf der einen Seite das Kreuz Christi für das Neue Testament, aber auch in stilisierter Form den Anfang des Buch Genesis auf Hebräisch. Das Textbild ist in ein goldenes Dreieck gesetzt. Dieses Dreieck bildet die Brücke zu dem von mir gestalteten Martins-Ornat für den Dom zu Rottenburg, der ebenfalls in den Gottesdiensten getragen wird. Der Leitgedanke hier ist, im Teilen des Mantels wird die Barmherzigkeit Gottes sichtbar. Den Akt des Teilens habe ich versucht in diesen Gewändern fest zu halten.
Weiterführende Links:
Martins-Ornat für den Dom zu Rottenburg
Einbandgestaltung: atelier cremer / Christof Cremer, Julia Oppermann
© Visualisierung: Christopher Gruber
© Illustration Ornat: Andrea Költringer
© Fotos Vollbibel: Klaus Krämer
Liborius Ornat
von Christof Cremer
KONZEPTIONELLER ANSATZ
Neben der Auseinandersetzung mit dem Leben des hl. Liborius, der über ihn erzählten Legenden sowie der bekannten Beschreibung der Überführung der Gebeine des Heiligen von Le Mans nach Paderborn – in deren Zentrum ein Pfau steht – bilden die konkreten Texte der Liturgie des Liborifestes und das Studium des liturgischen Raums, für den die nun vorliegenden Gewänder konzipiert sind, die Basis meiner Arbeit. Die Beschäftigung mit der Strahlkraft des Liborifestes, das auch ein Symbol für die Kraft des christlichen Glaubens und dessen Sitz im Leben von uns Heutigen ist, war für mich bedeutsame Grundlage für die künstlerische Gestaltung des Ornates. In der Präfation vom Heiligen Liborius wird gebetet: „... Denn er (Christus) sandte den heiligen Liborius, das Evangelium der Erlösung zu verkünden und die Herzen der Menschen zu erleuchten mit dem Licht des Glaubens. Dem Beispiel Christi, des guten Hirten, folgend, mühte er sich um die ihm anvertraute Herde. ...“ Es ist eine frohe, frohmachende Botschaft, die uns treffen und betreffen will. Die Botschaft von der unsagbaren Liebe Gottes zu seiner Schöpfung, zu uns Menschen. Und es ist die Tatsache, dass Christus uns in diesem Leben nicht alleine lässt, sondern, wie ein guter Hirte, bei uns, um uns, in uns ist. Nicht nur das, er selbst offenbart sich als „der Weg“ (Joh. 14,6), den wir erahnen, beschreiten sollen. Dies alles und, wie schon geschrieben, die Legenden rund um den heiligen Liborius haben mich bei der Erarbeitung des Ornates beschäftigt und erfasst. Dem heiligen Liborius wird in der Kunstgeschichte u.a. der Pfau als Symbol zugeordnet. Wobei es für mich heute nicht mehr darum geht einen Pfau zu applizieren, sondern diese Bilder zu vertiefen und ihnen nachzuspüren. Wie ein (stilisiertes) Pfauenauge verjüngen sich Strahlen vom Halsausschnitt bis zum Saum des Gewandes sowohl in der Breite als auch in der Höhe. Gold steht für die Kraft Gottes, Blau für die Paderquelle als Verbindung zu Paderborn und natürlich auch zur Taufe in Christus. Der Pfau hat der Legende nach den Paderbornern bei der Übertragung der Gebeine des Hl. Liborius den Weg gewiesen, so wie Christus auch uns den Weg weist. Seine Botschaft, sein Leben und sein Sterben am Kreuz bilden für uns Wegweiser in unserem Leben, für unseren Pilgerweg. Dies findet sich im Gewand des Hauptzelebranten wieder, der als Vertreter Christi Vorsteher des Gottesdienstes ist. Sämtliche Gewänder nehmen Bezug auf den Pfau, das Pfauenauge. Dieses gestalterische Grundprinzip wurde für alle Gewandformen übernommen – ob singulär oder mehrfach übereinander – und variiert.
Artikel aus dem Ausstellungskatalog
Hans-Josef Becker Erzbischof von Paderborn: Zum Geleit
Msgr. Joachim Göbel Dompropst: Vorwort
Domvikar Gregor Tuszynski: „Ihr Alle, die Ihr auf Christus getauft seid...“ (GAL 3,27)
Wolfgang Stracke: Zeitgenössische Kunst und liturgisches Gewand
Videodokumentation zum Ornat und zur Ausstellung
© Fotos: Julia Oppermann
Gestaltung der Lektionare für die deutschsprachigen Bischofskonferenzen
Die deutschsprachigen Bischofskonferenzen haben die Neugestaltung der Lektionare als Buchkunstwerk ausgeschrieben. Es sollte eine zeitgenössische, zeichenhafte Gestaltung ohne Schrift entwickelt werden. Zugleich soll durch Stil, Farbe und Form die Würde der Heiligen Schrift und die Erhabenheit liturgischen Feierns betont werden. Und es soll, gerade als Kunstwerk, entsprechend der Liturgiekonstitution des 2. Vatikanischen Konzils, "Zeichen und Symbol überirdischer Wirklichkeiten" sein (Sacorsanctum Concilium 122).
Die Lektionare als Aufbewahrungsort für das verschriftete Wort Gottes dienen der Liturgie, die der Höhepunkt ist, "dem das Tun der Kirche zustrebt" und die "zugleich die Quelle ist, aus der all ihre Kraft strömt" (Scorsantum Concilium 10).
Die von Christof Cremer in Zusammenarbeit mit Julia Oppermann gestalteten Lektionare zeichnen sich durch eine Reduktion und Verdichtung aus und bieten andererseits einen hohen Grad an Wiedererkennung und Unverwechselbarkeit.
Die Gestaltung spiegelt die Bedeutung und den Vorgang der Verkündigung des Wortes Gottes wieder. Die ursprünglich nur mündlichen Überlieferungen wurden verschriftlicht festgehalten und damit überall gleich rezitierbar. Innerhalb des Wortgottesdienstes wird der Buchstabe zum Klingen gebracht und das Wort Gottes breitet sich dynamisch wie in Wellen aus. Die farbigen Parabeln auf dem Einband stehen für die Ausbreitung des Wortes durch Sprechen und Lesen. Sie kommen aus der Unendlichkeit, gehen wieder dort hin, um wie in einer Echokammer weiter zu hallen. Der goldene Einband der Bücher unterstreicht die hohe Wertigkeit ihres Inhaltes.
Der in Heinsberg (D) geborene freischaffende Kostüm- und Bühnenbildner Christof Cremer lebt in Wien und arbeitet international. Neben seiner Tätigkeit für das Theater konzipiert und kuratiert Christof Cremer Ausstellungen und arbeitet als Szenograph. Eine weitere Facette seiner Arbeit bildet die sakrale Kunst. Hier umfassen seine Arbeiten die Entwicklung neuer liturgischer Geräte und Gewänder, sowie die Gestaltung von Kircheninnenräumen sowie Rauminstallationen.
Einbandgestaltung: atelier cremer / Christof Cremer, Julia Oppermann
© Visualisierung: Christopher Gruber
weiterführende Links:
Liturgisches Institut der deutschsprachigen Schweiz
Jacobus Ornat – Hilden
Neben der Auseinandersetzung mit dem Leben des Hl. Jacobus und der über ihn verbreiteten Legenden, besuchte ich einige Gottesdienste der Gemeinde. Beides – Leben und Botschaft der Person Jacobus und der konkrete liturgische Vollzug – sowie der liturgische Raum, für den die Gewänder konzipiert wurden, waren und sind wesentliche Kulminationspunkte für meine Arbeit. Die Beschäftigung mit Fragen des Märtyrertums, der Geschichte von Märtyrerfesten, ihrer Bedeutung für das Werden der jungen Kirche und ihre Stellung im Leben von uns Heutigen waren für mich bedeutsame Grundlagen für die Konzeption des vorliegenden Ornates.
Aufruf zur Kreuzesnachfolge – Im Feiern eines Märtyrerfestes gedenken wir auf der einen Seite der konkreten Person und seiner Treue zu Christus und seines Glaubens, der diese Person befähigte Leid und Tod auf sich zu nehmen; auf der anderen Seite kann das konkrete Martyrium für uns Christen ein Beispiel, ein Vorbild, für unseren eigenen Weg im Glauben sein – wenngleich es immer wieder neu in die Zeit hinein „übersetzt“ werden muss. „Nehmt mein Kreuz auf Euch und folgt mir nach…“ diese unmissverständliche und doch auch Widerspruch-erregende Aussage Jesu gibt den Weg vor: Christliche Nachfolge – zumal Kreuzesnachfolge – kann nur getragen in und durch die Geborgenheit der Liebe Christi gelingen. Kreuzes-Nachfolge ist Glaubens-Nachfolge. Ich bin verleitet zu sagen: Auf jeden wartet ein weißes, leeres Kreuz….
Und dann ist da noch ein Zweites: „Wohin wir auch kommen, immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird. Denn immer werden wir, obgleich wir leben, um Jesu willen dem Tod ausgeliefert, damit auch das Leben Jesu an unserem sterblichen Fleisch offenbar wird. So erweist an uns der Tod, an euch aber das Leben seine Macht.“ (2 Kor 4,10-12) So die Lesung zum Jacobus-Fest. Diesen Gedanken aufgreifend setzte ich in das Zentrum des Gewandes eine Brustplatte – wie ein Herzstück. Diese Brustplatte durchdringt das Gewand und damit den Körper des Trägers. Die Vorderseite der Brustplatte zeigt ein freigelegtes, vertieftes weißes und damit leeres Kreuz, das Kreuz, das auf uns wartet. Diese Brustplatte ist eingebettet in das goldene
T-Kreuz Christi, das Kreuz der Liebe und Geborgenheit. Die weiße Albe des Trägers wird deutlich sichtbar, sowohl im seitlichen, als auch im unteren Gewandabschluss und verlängert dadurch das goldene Kreuz von der Casel in die Albe und damit noch näher zum Träger hin. Es findet eine optische Überleitung statt. Die Gewänder nehmen durch ihre Saumlinie die Form des Spitzbogens der neogotischen Kirche auf. Diese gestalterischen Grundprinzipien wurden auf alle Gewandformen der unterschiedlichen Funktionsträger bzw. Funktionen übernommen. Das goldene Kreuz jedoch bleibt dem Hauptzelebranten vorbehalten, der als Vorsteher des Gottesdienstes der Vertreter Christi im Vollzug des Gottesdienstes ist.
Artikel aus dem Katalog
Msgr. Ulrich Hennes: Anlass und Zielsetzung
Msgr. Ulrich Hennes: Der neue Mensch im neuen Kleid
Dr. Wolfgang Stracke: Ein Zeichenhafter Glücksfall
Fotos: © Julia Oppermann
Festtagsornat Stift Admont
Den Entwürfen der liturgischen Gewänder, die zum Thema Paradies entwickelt wurden, liegen die Gedanken des letzten Abendmahls, der Hingabe, des Todes am Kreuz sowie der Auferstehung am Ostermorgen zu Grunde. Nur die Erlösung durch Jesus Christus ermöglicht dem Menschen nach dem Tod ein Eintauchen in das Paradies. In der Feier der Eucharistie ist das kommende Paradies für den Menschen spürbar.
Die Gewänder sind in der Form einer Ellipse entwickelt. Einerseits greift sie das Thema Mandola – Brot – Fisch auf, andererseits die Form der gotischen bzw. neogotischen Spitzbögen der Admonter Stiftskirche, die sich auch im Admonter Wappen wiederfinden. Zwei übereinander gelegte Caseln verleihen dem Gewand eine größere Plastizität, mehr Volumen. Sie verweisen aber auch auf den Mönchshabit der Benediktiner, insbesondere das Skapulier. Die Grundform der Casel nimmt auch auf das Brot und damit auf Gründonnerstag Bezug. Das weiße Kreuz, das durch die goldenen Flächen freigelassen wird, deutet auf die Auferstehung Christi am Ostermorgen hin. Das rote Kreuz mit den roten Flächen auf der unteren Casel verweist auf das Leiden und den Tod Christi am Kreuz des Karfreitags. Diese Grundgedanken und damit die Formensprache werden in den weiteren Gewändern variiert.
Weiterführende texte
P. Winfried Schwab OSB
damit gott in allem verherrlicht werde! oder: sind zeitgenössische paramente auch zeitgemäss?
Dr. Wolfgang Stracke, Paramentenhaus Wefers
eine contradictio in adiecto – in sich ein widerspruch? zu den arbeiten von christof cremer
Fotos: © Julia Oppermann
Im Gewand des Heils
Ausstellung in der Katholischen Akademie Schwerte
vom 09. Dezember 2012 bis 03. Februar 2013.
Martha Kreutzer-Tremming
Wally Schulz
Leo Zogmayer
Christof Cremer
Weitere Informationen
© Gewand: Christof Cremer, Foto: Mike Siepmann
St. Ruprecht – Wien
St. Ruprecht, Wien
Entwurf: Christof Cremer
Fotos: © Julia Oppermann
Gottes Lob
Kaiserliche Schatzkammer Wien
Vom 4. Mai bis 7. November 2016
Geschäftsführung KHM Museumsverband: GD Dr. Sabine Haag und Dr. Paul Frey
Projektleitung Ausstellungsproduktion: Dr. Katja Schmitz-von Ledebur
Ausstellungsbeitrag: Christof Cremer
In der Geistlichen Schatzkammer befindet sich ein bedeutender Bestand an Paramenten aus dem 18. Jahrhundert, der aus konservatorischen Gründen nicht dauerhaft präsentiert werden kann. Er geht vor allem auf die reichen Stiftungen Kaiser Karls VI. (1685–1740) und seiner Gemahlin Elisabeth Christine (1691–1750) sowie ihrer Tochter Maria Theresia (1717–1780) zurück. Vielfach verwendete man für die Herstellung der liturgischen Gewänder kostbare Gewebe aus Frankreich oder Italien, die mit Stickereien zusätzlich gehöht wurden. Auch kaiserliche Gewänder wurden bisweilen zu Ornaten umgearbeitet.
Die Ausstellung gibt einen Einblick in die Vielfalt und die hohe Qualität des textilen Bestandes der Wiener Schatzkammer, der beredt Zeugnis von der Pietas Austriaca, der Frömmigkeit des Hauses Österreich, gibt.
Teil der Ausstellung sind auch einige ausgewählte zeitgenössische Paramente nach Entwürfen der beiden Künstler Christof Cremer und Stephan Hann. Sie dokumentieren den hohen Anspruch, der auch in heutiger Zeit an liturgische Gewänder gestellt wird, die nach wie vor ein wesentlicher Bestandteil des Gottesdienstes sind.
Weitere Informationen
© Photo: KHM-Museumsverband / Thomas Ritter
Gestaltung der Evangeliare für die deutschsprachigen Bischofskonferenzen – Standardausgabe
Künstlerische Gestaltung
Der vorliegende Entwurf steht in der Tradition der sakralen Buchgestaltung und ist doch heutig. Die gesamte Gestaltung des vorliegenden Evangeliars greift auf die Tradition der historischen sakralen Buchgestaltung zurück und übersetzt diese ins Heute.
Die Texte der vier Evangelien sind das wichtigste und heiligste Dokument, das Fundament des christlichen Glaubens. Dies wird – ob seiner Bedeutung – gesichert, umfangen mit zwei „Bändern“, die in Kreuzform um die gesamten Texte des Buches geschlungen sind, wie bei Reliquien, die in den Altar eingesetzt werden. Diese Bänder ziehen sich vom Vorsatzblatt über den zweifärbigen Goldschnitt bis zum Nachsachsatzblatt. Das ganze Textkonvolut wird von einem Bucheinband umhüllt und beschützt.
Auf dem Bucheinband sind vorne die Anfänge und hinten die Abschlüsse der vier Evangelien auf Altgriechisch abstrahiert positioniert. Die vier Evangelien erzählen die eine Heilsgeschichte im Zeichen des Kreuzes, dieses Kreuz entsteht als (Leer-) Kreuz durch die Positionierung der Texte auf dem Bucheinband und führen das Kreuz des Buchblocks und des Goldschnittes fort.
Als weitere Ebene wird über die Texte eine expressiv Mandorla-Form aufgebracht, die den Betrachter gleichsam in das Buch hineinzieht. Die künstlerische Zeichnung bildet auf der einen Seite die Brücke zur Gestaltung der bereits neu gestalteten Lektionare und auf der anderen Seite ist es eine Referenz an die Darstellung des thronenden Christus in der Mandorla. Auf der Rückseite wird ein goldenes Kreuz gezeigt.
Künstlerisches Konzept Illustrationen
Den Illustrationen im Evangeliar liegt der Wunsch zu Grunde, dem Text eine bildliche Expression, aus dem Textbild hinzuzufügen. Diese referenzieren zur Einbandgestaltung bei der auch die Texte – Textauszüge als gestalterisches Zentralelement – verwendet werden. Der Leitgedanke ist dabei, dass der Text in seiner Dynamik, in der ihm inhärenten Bewegung zum Betrachter spricht. Es geht um den Gestus und nicht um eine Bebilderung im klassischen Sinne.
Die Illustrationen sind Ergebnis eines aufwändigen, mehrstufigen Prozesses. Grundlage und Ausgangspunkt ist eine theologische Analyse der Textstellen. Sie mündete in einer Verdichtung der Aussage des konkreten Textes in eine Bewegung. Diese wurde von einem Tänzer in einer geleiteten Improvisation umgesetzt und mittels Langzeitbelichtungen und Videos dokumentiert.
Die in verschiedenen Bildebenen überlagerten Bewegungen wurden freigestellt, grafisch bearbeitet und abstrahiert. Die aus diesem Prozess resultierenden Formen wurden mit den ausgewählten altgriechischen abstrahierten Texten gefüllt und in ebenfalls abstrahierte Hintergrundebene implementiert, sowie in die jeweils entsprechende liturgische Farbe eingefärbt.
Das Evangeliar lädt nicht nur ein, es im buchstäblichen Sinne „vor-zu-tragen“ und daraus „vor-zu-lesen“, sondern regt durch Form und Gestaltung auch dazu an, „inne-zu-halten“ und dem zu Sehenden und dem Gehörten „nach- zu-gehen“.
Ausführliche Information / Bestellung:
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Email: auslieferung@domverlag.at
Podcast Radio Stephansdom:
https://radioklassik.at/programm/sendeformate/thema/das-neue-evangeliar/
Einbandgestaltung: atelier cremer / Christof Cremer, Julia Oppermann
© Visualisierung: Christopher Gruber; Photos: atelier cremer/Jovan Sertic
Präsentation des neuen Libori-Ornats
zu Paderborn
von Christof Cremer
gemeinsam mit dem Libori-Ornat
von Edith Ostendorf (entst. 1940–1977)
Ausstellung im Diözesanmuseum Paderborn
vom 06.Juli bis 28. September 2014.
Weitere Informationen
© Plakatmotiv: Diözesanmuseum Paderborn
