Martinsornat

Für den Dom St.Martin Rottenburg

 

von Christof Cremer

 

Konzeptioneller Ansatz – Ein Entwurf für das 21. Jahrhundert

„Martin erinnert uns unablässig daran: Die Kirche ist eine diakonische, eine helfende und heilende Kirche. … In Martin lebt Jesus selbst auf, der ruft, ihm nachzufolgen und in seiner Spur zu handeln. … Die Ausstrahlung der Kirche … ist niemals unabhängig von ihrer wahrnehmbaren und wahrgenommenen Gestalt, vom konkreten Lebens- und Praxisstil, in welchem sich der in ihr herrschende Geist ausdrückt.“ (Gebhard Fürst, Martin von Tours, Ikone der Nächstenliebe, S 111 ff.)

Sulpicius Severus beschreibt in seinem Lebensbericht über Martin anschaulich die Nächstenliebe Martins, als dieser am Tor von Amiens einem Armen die Hälfte seines Mantels schenkt. „Als es Nacht geworden war und er (Martin) sich dem Schlafe hingegeben hatte, erschien ihm Christus, angetan mit dem Teil des Mantels, den er dem Armen gegeben hatte. … Wahrlich, der Herr gedachte der Worte, die er einst vorhergesagt: Was ihr einem der Geringsten getan, das habt ihr mir getan.“ (Martin von Tours, Lebensbericht von Sulpicius Severus; Hrsg. Joachim Drumm, S 25)

Diese Gedanken greift der vorliegende Entwurf für einen „Martins-Ornat“ auf und übersetzt sie künstlerisch. Im Teilen, im Zerschneiden des Mantels wird die helfende und heilende Kirche, die sich in ihrem Tun auf Christus beruft und von seinem Tun geleitet wird, sichtbar. Und in und durch die handelnde Kirche wird Christus selbst sichtbar, spürbar, erfahrbar, ja begreifbar.

Papst Franziskus wird nicht müde, die Kirche – also die vielen Menschen, die sich zu dieser Kirche bekennen – aufzurufen, zu drängen, sich den Wehrlosen, den Schwachen, den Geringsten zuzuwenden und – gleichsam wie Martin – die Mäntel zu teilen. Martin ein Vorbild für das 21. Jahrhundert, in dem so viele so wenig haben, in dem so viele auf die Zuwendung anderer angewiesen sind. Wo Menschen teilen dort wird Christus das Licht der Welt sichtbar.

Das Gewand, das bei Martin – neben dem realen, wärmespendenden Mantel für den Bettler – darüber hinaus eben auch zum allgemeinen Symbol für Nächstenliebe und Teilen schlechthin geworden ist – und dies seit nunmehr eineinhalbtausend Jahren mit einer beeindruckenden Wirkungsgeschichte im weltweiten Christentum – dieses geteilte Gewand soll in den Entwürfen zum Martinsornat nun selbst sinnfälliges Zeichen in Form und Gestaltung werden.

Vorwort von Bischof Gebhart Fürst

„Gewänder des Heils“ von Wolfgang Urban

„Zeitgenössische Paramente – Martinsornat als Beispiel“ von Wolfgang Stracke

 

weiterführende Links:

Vollbibel für den 102. deutschen Katholikentag in Stuttgart

 

© Entwurf: Christof Cremer; Illustration: Andrea Költringer